Nutzung von Carbon Capture, Utilization and Storage (CCUS)
Die vollständige Öffnung von CCUS-Technologien für alle interessierten Industrien ist entscheidend, um die Senkung der CO2-Gesamtemissionsreduktion voranzutreiben und die Wirtschaftlichkeit eines CO2-Netzes durch Skaleneffekte zu verbessern. Dies würde die Kostenbelastung durch die Nutzung existierender Netzinfrastrukturen verringern und die Planungssicherheit für die Industrie erhöhen.
Allerdings hat Deutschland in den vergangenen 15 Jahren wertvolle Zeit verloren, sich mit der Entwicklung und Kommerzialisierung von CCUS-Technologien zu beschäftigen. Nun ist es unabdingbar, die regulatorischen Kernpunkte – Kohlenstoffmanagementstrategie (KMS), Kohlendioxid-Speicherungsgesetz (KSpTG) und die Ratifizierung des Zusatzes zum LondonProtokoll – umgehend zu verabschieden. Nur so können Wirtschaft und Industrie Investitionsentscheidungen treffen.
Für erste große CCUS-Projekte werden erweiterte Fördermöglichkeiten sowie eine klare Regelung der Anwendungsbereiche notwendig sein.
Parallelplanung von neuen Wasserstoff- und CO2-Netzen
Planung und Aufbau des CO2-Transportnetzes in Deutschland sollten Hand in Hand mit der Errichtung des Erdgas- und Wasserstoffkernnetzes gehen. Angesichts wirtschaftlicher und genehmigungsrechtlicher Herausforderungen ist es unabdingbar, Synergien beim parallelen Aufbau des Wasserstoff- und des CO2-Netzes zu nutzen. Ziel ist eine strategisch und wirtschaftlich sinnvolle Infrastrukturentwicklung.
Der Aufbau des Wasserstoffkernnetzes und des CO2-Transportnetzes sollte im Kontext der bestehenden Fortschreibung des Erdgasnetzes durch die Bundesnetzagentur (BNetzA) betrachtet werden. Nur so können Synergiepotenziale ausgeschöpft und wirtschaftliche Vorteile realisiert werden.
Internationale Erfahrungen
Internationale Erfahrungen, insbesondere aus den USA und der Golfregion, zeigen, dass eine breite Anwendung von Carbon Capture, Utilization and Storage (CCUS) eine realistische und kosteneffiziente Lösung zur Emissionsreduktion darstellt.
Anwendungspotenziale von CCUS in der Industrie
- Kalk- und Zementindustrie sowie Müllverbrennungsanlagen (MVA) haben bereits Projekte zur CO2-Nutzung vorbereitet.
- Die Chemieindustrie könnte CO2 in Herstellungsprozessen einsetzen oder aus anderen Sektoren nutzen.
- Gas-Kraftwerke mit CCS könnten in Kapazitätsmarktauktionen angeboten werden – wirtschaftlich günstiger als grüner Wasserstoff bei >3.000 Volllaststunden/Jahr.
- Für Unternehmen mit hohem Prozesswärmebedarf bietet Erdgas + CCS eine Alternative zum teuren grünen Wasserstoff.
- Auch in Teilen der Stahlerzeugung ist Erdgas + CCS günstiger als Direktreduktion mit Wasserstoff (DRI).
Modellprojekte weltweit
In den USA sind bereits 15 CCS-Anlagen in Betrieb, die zusammen 0,4 % der jährlichen CO2-Emissionen abscheiden; weitere 121 Anlagen sind in Planung oder Bau. Das CCS-Netzwerk von ExxonMobil an der Golfküste unterstützt durch unterirdische Speicherung die Emissionsminderung.
In Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten werden CCUS-Technologien umfassend eingesetzt. Das Al-Reyadah-Projekt zeigt mit der CO2-Abscheidung in der Stahlproduktion (800.000 Tonnen/Jahr), dass CCUS ein wirksames Instrument zur Emissionsminderung ist.
Fazit
Der schrittweise Aufbau eines CO2-Transportnetzes muss in Deutschland integrativ und parallel zum Wasserstoffnetz erfolgen. Die Nutzung von CCUS-Technologien in verschiedenen Industriesektoren, insbesondere durch die vollständige Öffnung für alle Branchen, bietet erhebliche Potenziale zur Emissionsreduktion und Kostendämpfung.
Die politischen Rahmenbedingungen müssen schnellstmöglich geschaffen werden, um die rechtlichen und regulatorischen Voraussetzungen für CO2-Speicherung und -Transport zu sichern. Nur so kann die Dekarbonisierung auf wirtschaftlich tragfähige Weise gelingen.

