Newsletter Oktober 2021

Christof von Branconi, Vorstandsvorsitzender Global Energy Solutions e. V.

Interview: Die Struktur des Arbeitsprogramms steht

Global Energy Solutions (GES) hat sein Arbeitsprogramm für die kommenden zwei Jahre präzisiert. Im Interview nennt Christof von Branconi, der Vorstandsvorsitzende des Vereins, die Schwerpunkte. Die Herausforderungen einer globalen Energiewende sind gewaltig, die Aufgaben folglich auch. Denn rund 85 Prozent der weltweit genutzten Energie stammen heute aus fossilen Quellen. Über die kommenden 30 Jahre „müssen wir einen Weg finden, diese 85 Prozent möglichst unschädlich fürs Klima zu nutzen oder zu ersetzen“, sagt von Branconi. GES hat nun ein Programm erarbeitet, wie mögliche Lösungen – ergebnisoffen – entwickelt werden sollen, Schritt für Schritt. Es gibt fünf große Bausteine:

(1.) ein Zukunftsbild unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsziele der UN,

(2.) einen Werkzeugkasten mit technischen Lösungsbausteinen,

(3.) die konkrete Anwendung des Werkzeugkastens in einzelnen Industriezweigen,

(4.) die besonderen geografischen, politischen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Bedingungen für einzelne Weltregionen und

(5.) das Lösungsbild: „Wie stellt sich der Verein vor, dass die Treibhausgasproblematik konkret gelöst werden kann – bei gleichzeitig weltweit steigendem Wohlstand?“

Zu den nächsten Aufgaben, die sich GES gestellt hat, zählen Untersuchungen zu folgenden Fragestellungen:

(1.) die großtechnische Produktion von grünem Wasserstoff per Elektrolyse und

(2.) der Transport von Wasserstoff unter Berücksichtigung verschiedener Wege, auch von Wasserstoff-Derivaten wie Methanol oder synthetischem Erdgas (Methan).

Dabei will sich GES besonders mit der Frage beschäftigen, wie CO2 aus Punktquellen (z.B. aus einem Zementwerk) sinnvoll eingesetzt werden kann. In zwei Jahren will GES Lösungsvorschläge für das globale Energie- und Klimaproblem vorlegen, und zwar solche, die auch wirtschaftlich tragfähig sind.


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Facts and Figures

84,3%

So groß ist der Anteil der global erzeugten fossilen Energie im Jahr 2019. Die verbleibenden 15,7 % setzen sich wie folgt zusammen: Wasserkraft (6,4 %), Atomenergie (4,3 %), Wind (2,2 %), Solar (1,1 %) und andere. 

Der Weg hin zu einer globalen Energiewende ist also noch sehr weit. Die Menschheit wird noch lange fossile Energieträger nutzen. 


ourworldindata.org

GES-Position im deutschen Wahlkampf

Wolfgang Reitzle, der seit vielen Jahren oberste Führungspositionen in der Industrie (BMW, Continental, Ford und Linde) bekleidet, hat auf einem Parteitag der FDP am 19. September eine bemerkenswerte Rede gehalten. Er plädiert für die kostengünstige Produktion von grünem Strom, z.B. in den Sonnenwüsten der Erde. Mit diesem Strom soll grüner Wasserstoff erzeugt werden, um mittelfristig eine weltweite Wasserstoffgesellschaft aufzubauen. Besonders wichtig ist Reitzle die Weiterverarbeitung zu Wasserstoff-Derivaten wie Methan, Methanol und Ammoniak. Die weltweit 1,3 Milliarden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor will er mit synthetischen Kraftstoffen betanken. Außerdem plädiert Reitzle für Nature-based Solutions. Alle vier Punkte decken sich mit der Position von Global Energy Solutions. Reitzle erinnert daran, dass bis zur Mitte des Jahrhunderts 2,5 Milliarden Menschen mehr auf diesem Planeten leben werden. Und daran, „dass in Afrika heute 600 Millionen Menschen keine Steckdose haben – aber berechtigterweise schon sehr bald eine haben werden. Und ein Großteil des Stroms aus diesen Steckdosen wird aus neuen Kohlekraftwerken stammen“. Es mache keinen Sinn, dass die deutsche Politik fast alle Kraft, Zeit und Ressourcen darauf verwende, das eigene Land klimaneutral zu stellen: „Das Klima retten wir entweder global oder gar nicht.“ Eine verengte, national ausgerichtete Klimapolitik führe in eine Deindustrialisierung, die das Land im internationalen Wettbewerb schwäche. „Deutschland kann sich nicht autark mit regenerativer Energie versorgen. Wir brauchen Importe von grünem Strom, beziehungsweise von grünem Wasserstoff und seinen Derivaten“, so Reitzle.


Bundestagswahl 2021


welt.de

Direct Air Capture – Weltgrößte Anlage geht in Betrieb

Jährlich bis zu 4.000 Tonnen CO2 will das schweizer Start-up Climeworks direkt aus der Luft saugen und unterirdisch deponieren. Anfang September ist Orca, so der Name der Anlage, auf Island in Betrieb gegangenen. Orca besteht aus acht großen Containern, die mit Hilfe von Ventilatoren CO2 einsaugen und es herausfiltern. Die Anlagen von Climeworks werden mit erneuerbarer Energie betrieben. Das isländische Kohlenstoffspeicherunternehmen Carbfix mischt das aufgefangene CO2 mit Wasser und pumpt es in den Untergrund. Dort reagiert das Gemisch mit Basaltgestein und mineralisiert in wenigen Jahren zu festem Karbonat. Die CO2-Mengen, die Orca auffängt, sind noch relativ gering. Ziel des Unternehmens ist es, sie deutlich zu erhöhen. Ein großes Problem der Methode sind die hohen Kosten. Sie sollen im Bereich von mehreren hundert Dollar pro Tonne CO2 liegen. Auf lange Sicht soll der Preis jedoch auf unter 100 Dollar sinken.


spiegel.de


solarify.eu

Kurzmeldungen

Am Rande der IAA Mobility in München hat Global Energy Solutions am 6. September eine Veranstaltung zu den weltweiten Herausforderungen im Energie- und Klimabereich und möglicher Lösungsbeiträge der Industrie durchgeführt. Gastgeber war die Linde.GmbH. Anwesend war unter anderen Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Teilnehmende Firmen und Organisationen: Aramco Overseas Company, H2 Global, Linde GmbH, Obrist Powertrain GmbH, Robert Bosch GmbH, Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima, thyssenkrupp AG, vbw – Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft, VDMA – Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, ZF Friedrichshafen AG.

(v.l.n.r.): Dr. T. Orthen (Global Energy Solutions), P. Ellett (ZF Friedrichshafen AG), C. Meusburger (Obrist Powertrain), D. Erdmann (VDMA), B. Noack (Robert Bosch), F. Hachenberger (Robert Bosch), P. O. Calendini (Aramco Overseas Company), C. von Branconi (Global Energy Solutions), Dr. A. Opfermann (Linde), Prof. Dr. E. Herlyn (Global Energy Solutions), C. Völzow (vbw), P. Renner (Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima), Prof. Dr. Dr. Dr. h. c. F. J. Radermacher (Global Energy Solutions), F. Wolf (Obrist Powertrain), Bundesminister Dr. G. Müller, M. Exenberger (H2 Global), K. Radtke (thyssenkrupp), M. Braun (Aramco Overseas Company), nicht auf dem Bild: Dr. D. Walliser (ZF Friedrichshafen AG)

Eine weitere Veranstaltung von Global Energy Solutions fand am 15. September am Rande der Automechanika in Frankfurt statt. Die Frage war auch hier, was die Industrie leisten kann, um beim internationalen Klimaschutz zu helfen und eine nachhaltige Energiewende auf den Weg zu bringen. Anwesend waren:

Dr. R. Stahlschmidt (CAC Chemnitz), P. Sonntag (EDL Anlagenbau), A. Mathuren (FuelsEurope), P. Müller-Baum (VDMA), Prof. Dr. G. Ruß (Hochschule Darmstadt), H.-P. Messmer (MessmerPartners), Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. F. J. Radermacher, C. von Branconi, Dr. T. Orthen (Global Energy Solutions), M. Braun (Aramco Overseas Company), S. Frank (Mission Hydrogen), M. Breuer, Svenja Kley (ZDK), P. von Westerholt (MesseFrankfurt).


iaa.de


automechanika.messefrankfurt

China will in Zukunft keine neuen Kohlekraftwerke im Ausland mehr bauen. Das hat der chinesische Präsident Xi Jinping in einer Rede vor der UN-Vollversammlung in New York verkündet. “China wird andere Entwicklungsländer bei der Entwicklung grüner und kohlenstoffarmer Energien stärker unterstützen und keine neuen Kohlekraftwerke im Ausland bauen”, sagte Xi. Einzelheiten über die Umsetzung dieses Vorhabens nannte er nicht. Allerdings werden in China selber auch weiterhin Kohlekraftwerke gebaut.

Dennoch bleibt die Überzeugung von GES, dass es eine weltweite Lösung mit den Kohlekraftwerken geben muss, weil kaum zu erwarten ist, dass die bestehenden Kapazitäten in überschaubaren Zeiträumen abgeschaltet werden.


sueddeutsche.de

Die USA und die EU rufen dazu auf, den Methanausstoß zu reduzieren. Auf der Weltklimakonferenz in Glasgow Ende Oktober soll eine entsprechende Initiative vorgestellt werden. Unterstützer der Initiative verpflichten sich, gemeinsam die weltweiten Methanemissionen bis 2030 um mindestens ein Drittel zu senken. Methan ist ein hoch wirksames Klimagas, es entweicht vor allem bei der Produktion und Distribution von Erdgas in die Atmosphäre. Dazu kommen erhebliche Emissionen aus der Landwirtschaft. Global Energy Solutions ist sich der Methan-Problematik bewusst und konzentriert sich in seiner Arbeit auf die technologischen Fragen.


whitehouse.gov


mckinsey.com