Newsletter August 2021

Interview mit Matthias Braun, Berater von Saudi Aramco

GES-Vorschlag für die Erzeugung von klimaneutralem Stahl

VDI plädiert für Kreislaufführung von CO2

Matthias Braun, Ehrensenator / Vorsitzender des Beirats Automobilbusiness, EC Europa Campus

Warum der weltgrößte Erdölproduzent auf synthetische Kraftstoffe setzt

Matthias Braun ist Berater von Saudi Aramco, dem größten Erdölproduzenten der Welt. Im Interview mit Global Energy Solutions erläutert er das Interesse von Aramco an synthetischen Kraftstoffen. Es sei in erster Linie Kunden-getrieben. An erster Stelle stünde der chinesische Markt. Denn China setzt nicht nur auf Elektromobilität, sondern auch auf saubere Verbrenner. Die größte Kompetenz bei synthetischen Kraftstoffen sieht Aramco, so Matthias Braun, aber in Europa. In Paris betreibt das Unternehmen ein Forschungszentrum, das sich mit mehreren Technologie-Pfaden befasst. Was sich durchsetzen wird, hängt nach Matthias Braun wesentlich an der Regulierung von synthetischen Kraftstoffen in Europa. Eine grüne Verkehrswende sei nur zu schaffen, wenn die 1,3 Milliarden Verbrenner-Fahrzeuge auf der Welt mit klimaneutralen Kraftstoffen versorgt würden.


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Klimaneutraler Stahl – Neuer Vorschlag von GES

In einem Papier unterzieht Global Energy Solutions die deutsche Strategie für die zukünftige klimaneutrale Stahlproduktion einem Realitätscheck. Das heute vorherrschende Verfahren ist die sogenannte Hochofenroute, mittels Koks und Kohle. Der so produzierte Stahl kostet mindestens 390 Euro pro Tonne. Um klimaneutralen Stahl zu produzieren, verfolgt die deutsche Politik perspektivisch derzeit vor allem den Ansatz der Direktreduktion durch grünen Wasserstoff. Tatsächlich würden die CO2-Emissionen dadurch weitgehend vermieden. Grüner Wasserstoff (aus heimischer Produktion) ist absehbar aber zu teuer (6 bis 8 ct/ kWh), sodass die Tonne Stahl 100 bis 150 Euro mehr kosten würde als heute. Die Folgen wären ein Abwandern der Stahlproduktion aus Deutschland und/ oder Dauersubventionen. GES schlägt im vorliegenden Papier einen anderen Weg vor, nämlich die Stahlproduktion über Direktreduktion mit grünem Methan aus Nordafrika. Der Preis für eine Tonne Stahl, in Deutschland produziert, läge dann bei etwa 440 Euro. Aus Sicht von GES ist dies ein attraktiver Weg zu klimaneutralem Stahl, der zudem das technische Risiko der großtechnisch noch nicht realisierten Fahrweise mit reinem Wasserstoff vermeidet.


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Industrielle CO2-Kreisläufe

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hat Anwendungsmöglichkeiten von Carbon Capture and Storage (CCS) sowie Carbon Capture and Usage (CCU) untersucht. CCS sieht der VDI kritisch und beruft sich dabei auf Risiken für die Bevölkerung. (Aus Sicht von GES kann man durchaus zu anderen Urteilen kommen.) Das Ergebnis für CCU ist hingegen eindeutig: „Für eine treibhausgasneutrale Zukunft ist die Abscheidung und stoffliche Nutzung von Kohlendioxyd unerlässlich“, heißt es dort. CO2 sollte „aus allen noch verfügbaren konzentrierten Quellen und der Luft abgeschieden werden“. Weiter schlägt der VDI vor, CCU-Anlagen in der Nähe von großen CO2-Quellen wie etwa Eisen- und Stahlwerken oder Raffinerien anzusiedeln.


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Kurzmeldungen

Franz Josef Radermacher von GES hat zwei offene Briefe an die EU-Kommission unterzeichnet. Hintergrund ist das EU-Programm Fit for 55 und die angestrebte Klimaneutralität der EU im Jahr 2050. Der erste Brief enthält ein Plädoyer für synthetische Kraftstoffe. Im zweiten Brief geht es um Klima-Regulationen im Transportsektor.

Die Fluggesellschaft Swiss betankt ab sofort alle ihre Flugzeuge, die von Zürich aus starten, mit dem CO2-reduzierten Treibstoff Sustainable Aviation Fuel (SAF). SAF ist nach Angaben von Swiss drei- bis fünf Mal so teuer wie herkömmliches Kerosin. Etwa 1 Prozent der Swiss-Kunden würden einen höheren Ticketpreis bezahlen, um die CO2-Emissionen ihres Flugs zu kompensieren.

Die weltweite Stromnachfrage wächst schneller als die erneuerbaren Energien. Dadurch wird mehr Strom aus fossilen Quellen produziert. Der neue Bericht der Internationalen Energie Agentur (IEA) erwartet einen Anstieg der Stromnachfrage im Jahr 2021 von 5 Prozent und damit auch einen Anstieg des weltweiten CO2-Ausstoßes. Fast die Hälfte des zusätzlichen Bedarfs wird durch fossile Brennstoffe, vor allem Kohle, gedeckt.