Anlass
Das Strategiepapier „Klimaneutral werden, wettbewerbsfähig bleiben“ (15.09.2025) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) benennt zehn Schlüsselmaßnahmen für die Transformation der Energiewirtschaft. Global Energy Solutions (GES) begrüßt die realistische Analyse und betont, dass der Weg zur Klimaneutralität nur gelingen kann, wenn er technologieoffen und marktwirtschaftlich gestaltet wird.
Zehn Empfehlungen von GES
1. Ehrliche Bedarfsermittlung und Planung
GES unterstützt den nun vom BMWE prognostizierten realistischeren Strombedarf 2030 von etwa 600 TWh. Der Hochlauf von Elektromobilität, Wärmepumpen und Wasserstoff (H2) bleibt hinter den Ampel-Zielen zurück, während hohe Energiepreise die Industrieproduktion dämpfen. GES fordert, den Erneuerbaren-Ausbau rein marktlich zu steuern (ohne einen Zielwert in 2030 von 80 %) und die Netzausbauplanung anzupassen.
2. Erneuerbare Energie nur marktgetrieben und systemdienlich ausbauen
GES begrüßt die geplante Einstellung von fixen EEG-Einspeisevergütungen, mehr marktliche Ausrichtung der Erneuerbaren sowie Berücksichtigung der Systemkosten (Kosten inklusive Netzausbau, Speicher und Residuallast). EEG-Fördermechanismen sollten zurückgeführt werden, damit Wirtschaftlichkeit über Investitionen entscheidet.
3. Koordinierter Netzausbau und Flexibilität
Das Energiesystem erfordert den synchronen Ausbau von Netzen, Erzeugung und Speichern. Fehlende Netzkapazitäten und Mangel an Speichern führen zu unnötig hohen Systemkosten. Etwas Entlastung kann eine Flexibilisierung der Nachfrageseite (Demand-Side-Response) bringen. Insgesamt werden die Stromsystemkosten in Deutschland aber leider weiter steigen – mangels kostengünstiger klimaneutraler Grundlasterzeugung.
4. Technologieoffener Kapazitätsmarkt
GES sieht einen technologieoffenen Kapazitätsmarkt als Schlüssel für Versorgungssicherheit bei dem angestrebten hohen Anteil an volatiler Stromerzeugung. Alle Technologien sind dafür gleichberechtigt einzubeziehen – neue Gaskraftwerke (auch mit CCS), neue Wasserkraft und Speicherlösungen. So entsteht das notwendige Sicherheitsnetz für die Phasen, in denen Sonne und Wind keinen Strom liefern.
5. Flexibilität und Digitalisierung des Stromsystems voranbringen
Eine digital vernetzte Verteilnetz-Infrastruktur ist Voraussetzung für Effizienz und Versorgungssicherheit. GES unterstützt den raschen Ausbau von Smart Metering, Echtzeit-Datenmanagement und dynamischen Tarifen, um Erzeugung und Verbrauch optimal zu koppeln. Digitalisierung ermöglicht Flexibilität, Transparenz und bessere Steuerung.
6. Europäische Marktintegration sichern
GES fordert die schrittweise Vertiefung der Integration zu einem europäischem Strommarkt. Dies ist der wirksamste Hebel, um Stromsystemkosten zu senken, Versorgung zu sichern und Klimapolitik effizient zu gestalten.
7. Emissionshandel als zentraler Steuerungsrahmen
GES betrachtet den europäischen Emissionshandel ETS als das entscheidende Leitinstrument der Klimapolitik. Die Reduktionspfade sichern ein verbindliches CO2-Re2t-budget bis 2050. Ein nationales Budget ist unnötig. GES empfiehlt, nationale Förderungen eingeführter Technologien wie PV abzubauen und den ETS als alleinige Steuerungsgrundlage zu stärken.
8. Forschung und Innovation fokussieren
GES fordert eine strategisch gebündelte Innovationsinitiative für Schlüsseltechnologien:
- CO2arme Grundstoffproduktion, synthetische Kraftstoffe, CO2Abscheidung (CCS/CCU), neue Kernenergie (SMR, Fusion) und Speicher.
Ziel ist es, Forschung, Skalierung und Markteinführung eng zu verzahnen und die staatliche Förderung auf Technologien mit Transformationspotenzial zu konzentrieren.
9. Technologieoffener und pragmatischer Wasserstoffhochlauf
GES unterstützt mehr Pragmatismus beim Hochlauf von Wasserstoff (H2), z. B. bei der EU-Definition von grünem und klimafreundlichem Wasserstoff. Ein erfolgreicher Aufbau erfordert Technologie- und Herkunftsoffenheit, einschließlich blauem und türkisem H2.
10. CCS/CCU als integraler Bestandteil der Klimastrategie
GES unterstützt CO2-Abscheidung und -Nutzung (CCS/CCU) als eine unverzichtbare Säule für realistische Klimaneutralität. Diese Technologien sind notwendig, um industrielle Restemissionen zu mindern und künftig auch negative Emissionen zu ermöglichen. GES fordert den Aufbau einer pipeline-basierten CO2-Transport-Infrastruktur.
Fazit
Klimaneutralität und Wettbewerbsfähigkeit müssen Hand in Hand gehen. GES plädiert für eine marktwirtschaftliche, technologieoffene und realistische Klimapolitik, die auf Systemeffizienz und Innovationskraft setzt. Der europäische Emissionshandel und ein ehrlicher Blick auf Kosten bilden den Kern einer erfolgreichen Energiewende. Zusätzlich können internationale Kooperationen mit Schwellenländern kostengünstig Emissionseinsparungen ermöglichen und zusätzliche ETS-Zertifikate generieren.

