CCUS steht für die Abscheidung von CO2 bei Verbrennungsprozessen und die weitere Entsorgung oder Nutzung des Gases. Die Technik hatte in Deutschland lange einen schlechten Ruf – zumindest bei Verfechtern von „Renewables only“. Die Ablehnung war (und ist) eine Folge der irrigen Vorstellung, die Energiewende würde schon bald zu einem vollständigen Ausstieg von Kohle, Gas und Öl führen. Für die nächsten Jahrzehnte ist das eine Illusion. Weil rund 80 Prozent der weltweit genutzten Primärenergie noch immer aus fossilen Quellen stammen.
Mittlerweile setzen praktisch alle Stimmen, die das Klimaproblem effizient lösen wollen, auf den Gamechanger Carbon Capture. Darunter die Internationale Energieagentur (IEA), der Weltklimarat (IPCC) und die Europäische Union (EU). Selbstverständlich ist Carbon Capture keine Wundertechnologie. Klimaneutralität ist nur im Zusammenspiel mit anderen Bausteinen des GES-Ansatzes ALL IN! erreichbar – darunter die Entwicklung von Wind- und Sonnenenergie sowie kohlenstoffarmer Treibstoffe.
Deutschland hat während der vergangenen Jahre wertvolle Zeit verloren. Die Entwicklung und die Kommerzialisierung der CCUS-Technologie haben andere betrieben. Norwegen zum Beispiel will daraus ein großes Business machen. Deutschland wird nun die Hilfe der Nachbarländer brauchen, um wieder Anschluss zu finden.

Deutschland muss sich nun bewegen.
- Die politischen Regularien (Kohlenstoffmanagementstrategie, Kohlendioxid-Speicherungsgesetz, London-Protokoll) sollten umgehend verabschiedet werden. Ohne klare Rahmenbedingungen keine Investitionen.
- Die CCUS-Technologie sollte in allen Branchen (Kalk- und Zement, Müllverbrennungsanlagen, Chemie und nicht zuletzt Gas-Kraftwerken) eingesetzt werden – um die Gesamtemissionen rasch zu vermindern.
- Das CO2-Tranportnetz sollte integrativ und parallel zum Wasserstoffnetz aufgebaut werden. Durch die Skalierung würde die Wirtschaftlichkeit des CO2-Netzes gesteigert.
Dieser Newsletter beinhaltet:
- Einen Einführungsbeitrag von Christof von Branconi und Thomas Frewer mit den zentralen Aussagen und Forderungen
- Die Analyse des Status quo in Deutschland und Europa von Thomas Frewer
- Einen globalen Überblick zu Entwicklung und Verbreitung der Technologie sowie eine Analyse der Kosten von Tobias Orthen und Franz Josef Radermacher
- Außerdem zwei Beispiele fortgeschrittener Carbon-Capture-Technologie von Hans-Peter Sollinger: Zement und Müllverbrennung einschließlich der Produktion klimafreundlicher Treibstoffe.
Durch Carbon Capture ergeben sich große Potenziale zur Reduktion der Emissionen bei gleichzeitiger Kostendämpfung. Carbon Capture ist ein wichtiger Baustein, damit die Dekarbonisierung auf wirtschaftlich tragfähige Weise gelingen kann.